From Fitti to Harden

From Fitti to Harden

Wie die meisten von Euch wissen, habe ich schon bei meinem ersten Bewerbungsgespräch zu meinem heutigen Chef gesagt, dass mein Ziel für die Zukunft ganz klar das Wort Homeoffice beinhaltet. Nicht einmal neun Monate nach meiner Einstellung haben wir über einen neuen Vertrag verhandelt und er hatte mir damals zugesichert, dass wir einen Versuch starten können und falls alles gut klappt, ich es in Zukunft vielleicht voll bekomme und „nach Belieben“ meine Arbeit von woanders aus erledigen kann.

Genau 15 Monate nach meinem Start in der neuen Firma, habe ich mein Ziel erreicht und den Testlauf gestartet. Seit Anfang November befinde ich mich in meinem Homeoffice und arbeite von den Philippinen aus. Ziemlich kurzfristig habe ich eineinhalb Wochen vor meinem Abflug, den Flug und eine Unterkunft gebucht und bin dann sozusagen blind und ohne vorher etwas groß zu planen nach Manila geflogen.

Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit und dem Bedürfnis einer sicheren Internetverbindung während meine Tryoutmonats, habe ich mich dazu entschlossen, den kompletten Monat in der großen Metropolregion von Manila (fast 13 Millionen Einwohner) zu verbringen. Denn das oberste Gebot für diesen Monat lautet natürlich, gut zu arbeiten um mein flexibles Homeoffice erst einmal fest zu bekommen, bevor ich weitere große Sprünge unternehme und Risiken eingehe.

Viele meiner Freunde mit denen ich schon öfter und auch vor meiner Abreise gesprochen habe, stellten sich meinen Arbeitsplatz auf einer Terrasse am Strand vor, auf der ich mir die Sonne auf den Pelz scheinen lasse (was durch eine längere Planung mit Sicherheit mein Ziel für das nächste Mal ist) und neben mir ein eiskaltes Getränk stehen habe.

Die Realität sieht im Moment jedoch etwas anders aus, denn ich sitze in Makati (einem Stadteil von Metro Manila) und es herrscht ein sehr tropisches Klima, gepaart mit viel Smog. Leider wird es hier noch dazu gerade genauso früh dunkel wie zuhause in Deutschland, was für mich unter der Woche bedeutet, dass ich zumeist nicht allzu viel bei Tageslicht zu sehen bekomme, da ich hier genauso wie in Deutschland meine 40+ Stunden arbeite und abends spät aus dem „Büro“ komme. Dafür bleiben mir aber die Wochenenden, an denen ich rumdüsen kann. Unter der Woche treffe ich mich zumeist mit andern Couchsurfern auf einen Drink, zum Essen oder abhängen. Was auf gut Deutsch heißt, mein Leben hier ist eigentlich genauso wie in Deutschland, nur etwas wärmer, mit mehr Smog, viel mehr gutem Essen und mehr Smog.

Bevor ich jetzt aber noch weiter auf diesem hohen Niveau weiter jammere, erzähle ich euch lieber ein paar lustige Geschichten und zeige euch Manila.

Die erste klare Verbesserung zu Deutschland spiegelt sich in der Überschrift wieder. Hier werde ich von den jungen Leuten nicht mit Mc Fitti angesprochen, sondern mit James Harden! Und ja, ich finde das viel besser, da ich mich mit James Harden mehr identifizieren kann als mit Mc Fitti.

Und da wir schon bei der Jugend angelangt sind, erzähle ich auch gleich mal, wie sich nach 2 Wochen der erste Jugendliche daran versucht mich zu beklauen. Da ich diese Tricks zum größten Teil schon kenne, hatte ich seine Absicht gleich erkannt. Als er sich im Gehen an mich anlehnte und um Geld bettelte, merkte ich, wie sich seine Hand in Richtung meiner Beintasche bewegte, ich habe Ihn dann erst einmal am Arm gepackt und Beiseite geschubst. Während er zu Seite stolperte sage ich noch im breitesten Fränkisch, „Wenn dei Finga net wech lässt klatschts glei“. In diesem Moment drehte sich vor mir ein etwas älterer Herr erschrocken um und sprach mich an, jedoch nicht auf Deutsch, sondern wie sich herausstellte auf Finnisch. Für Ihn hatte es sich nämlich so angehört, als würde ich mit Ihm in gebrochenem Finnisch sprechen. Zuhause angekommen habe ich das sofort in Google Translate eingegeben und man glaubt es kaum, aber es kam etwas mit einer ähnlichen Bedeutung dabei heraus.

Ansonsten habe ich aber bisher nur gute Erfahrungen hier gemacht. Die Leute sind nett und hilfsbereit, wie eigentlich fast überall wo ich bisher gewesen bin. Durch die wöchentlichen Couchsurfing MeetUps und eine Pub Crawl den ich hier mitgemacht habe, konnte ich neben zahlreichen Einheimischen, auch viele andere Ausländer kennenlernen, die hier entweder Arbeiten oder Urlaub machen. Dadurch sind die abendlichen Unternehmungen und Wochenenden ganz gut abgesichert.

Meine Sightseeingunternehmungen haben sich bisher nur auf Museen, Kirchen, etc. im Großraum Manila beschränkt, also nichts besonders Erwähnenswertes.

Was aber durchaus erwähnenswert ist, dass wir hier vor ca. 10 Tagen ein ganz kurzes Erdbeben der Stärke 5.0 hatten. Es war nur für ca. 2 Sekunden oder weniger zu spüren und viele haben es gar nicht mitbekommen, wie wir in einer abendlichen Runde feststellen mussten.

Das waren grob gesprochen meine letzten knapp 3 Wochen hier in Manila. Das Leben und die Arbeit sind hier schon etwas entspannter und ich kann hier viel zielgerichteter und effektiver arbeiten, da ich hier nicht wie auf der Arbeit ständig abgelenkt werde, aber jeder der jetzt denkt, das wäre hier alles supercool und easy, der irrt sich, denn wie gesagt, auch ich muss hier meine ganz normalen Wochenstunden und mehr arbeiten und das erfordert auch viel Disziplin von einem selbst.

Aber jetzt möchte ich euch nicht mit meinem Moralapostelgeschwätz langweilen, denn alles in allem ist es schon toll, welche Möglichkeit ich geschenkt bekomme die Arbeit mit dem Reisen zu verbinden.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und bis spätestens Dezember!