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Reisebericht Teil 10

Reisebericht Teil 10:

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

Am Abflugtag aus Australien waren es bereits morgens um 07:30 Uhr 30 Grad verbunden mit einer hohen Luftfeuchtigkeit, da war es schon ein komisches Gefühl sich in den Rucksack eine lange Unterhose und einen Pullover einzupacken. Am Flughafen angekommen wurde beim Einchecken erstmal mein Adrenalinspiegel in die Höhe getrieben, als der Herr am Schalter meinte ich müsste ein Weiterflugticket besitzen um in Südkorea einreisen zu können. Das war mir jedoch neu, da auf der Internetpräsenz des Auswärtigen Amtes gar nichts darüber zu lesen war. Jedoch glaubte ich im ersten Moment dem Mitarbeiter der China Eastern Airline und überlegte hektisch wann ich denn weiterreisen möchte und vor allem wohin? Während dessen suchte ich bereits auf Google Flights nach günstigen Flügen, bevor ich auf die Idee kam noch einmal nach den Einreisebestimmungen zu schauen. Just in diesem Moment kam auch der Servicemitarbeiter und meinte es wäre OK auch ohne Weiterflugticket in Südkorea einzureisen, ich müsste bei der Einreise eventuell nur genügend Geldmittel für eine Weiterreise nachweisen können.

Nach diesem extremen Kaltstart in den Tag wurde es dann, wie meistens wieder sehr lustig am Flughafen. Zuerst durfte ich bei der Ausreise ein längeres Schwätzchen mit den Sicherheitsmitarbeitern führen, die mich wie so oft über alles mögliche ausfragten, wobei es hier immer einen gibt, der bereits in Deutschland gelebt hat, oder Fußballfan ist, dieses mal war es ein Osteuropäer der in Augsburg gelebt hat, dann ging es weiter zu den Sicherheitskontrollen.

Da man ja mit einer extremeren Gesichtsbehaarung als normal, immer gleich in eine Schublade geschoben wird, war ich der Einzigste der aus der langen Schlange herausgepickt wurde um in den Bodyscanner zu steigen. Wahrscheinlich dachte er ich würde unter meinem T-Shirt einen Bombengürtel tragen, aber letztendlich war dort nur einen Speckgürtel zu finden. Trotzdem war die Szenerie für mich sehr belustigend, ich in der runden durchsichtigen Glaskammer, wie ein Tier im Zoo von allen Umstehenden neidisch beobachtet, da sie ja alle in der langen Schlage warten mussten. Es war aber auch vergleichbar mit der Tanzfläche in der Disco, einer tanzt und alle anderen stehen zur Musik wippend am Rand und mustern Ihn von oben bis unten, genau wie der Bodyscanner in dem ich gerade stand. Leider ist dieses mal niemand gegen eine Laterne oder irgendetwas anderes gelaufen wie die Dame damals in Sydney.

Geplagt von den „Sorgen des Alltags“ gönnte ich mir anschließend ein paar Minuten im Massagestuhl, bevor es dann in einem fast leeren Flugzeug Richtung Shanghai losging. Im Anflug auf Shanghai durchquerten wir eine dichte Wolkendecke, die gar nicht mehr zu Enden schien, bis ich irgendwann feststellen musste, dass es leider einen fließenden Übergang von Wolke zu Smogglocke gab. Das WiFi am Flughafen war auch nicht besonders toll, oder sollte ich sagen beschnitten? Nachrichten via Facebook und WhatsApp konnte ich zwar empfangen, aber versenden oder die neuesten News konnte ich nicht senden oder laden! Mit einer einstündigen Verpätung konnten wir dann auch in Richtung Südkorea einchecken, um anschließend eine weitere Stunde auf der Rollbahn auf unseren Start zu warten.

So kam es dann natürlich, dass wir mit einer enormen Verspätung in Seoul landeten. Leider endete meine Pechsträhne nicht, den nach der problemfreien Einreise durfte ich mir sagen lassen, dass mein Gepäck noch in Shanghai liegt. Ich kann jetzt noch den China Eastern Mitarbeiter in Australien hören, nein sie müssen sich um nichts kümmern, das geht automatisch, sie müssen nur beim neuen Einchecken in China den Gepäckzettel vorzeigen. Naja und so stand ich da, mein Rucksack samt Jacke in Shanghai liegend und draußen -4 Grad, wenigstens musste ich ihn dann nicht in die Stadt schleppen, sondern sollte ihn am nächsten Tag geliefert bekommen! Hilft ja nichts dachte ich mir und machte mich auf den Weg durch den Flughafen um mir mein Startpaket zu besorgen, was im Normalfall Geld und Simkarte beinhaltet. Wer jetzt denkt es wurde besser, dem muss ich leider sagen wir sind noch nicht am Ende dieses Tages. Der erste Geldautomat wollte mir kein Geld geben und so wanderte ich durch den halben Flughafen zum Nächsten. Dieser war außer Betrieb und so bekam ich die Ehre den ganzen Flughafen zu besichtigen und Dritten weiter zu laufen, der mir dann gnädigerweise etwas Geld aushändigte. Zumindest die Simkarte war dann schnell in einem Kiosk besorgt.

Zu meinem Unglück waren jetzt aber die letzte Bahn und der letzte Bus bereits abgefahren und so musste ich über eine Stunde auf den ersten Nachtbus warten. Endlich in Seoul an einem der Busbahnhöfe angekommen, konnte der Weg zu meinem Guesthouse ja nicht mehr so schwer sein, falsch gedacht, die U-Bahn fuhr nicht mehr. Der kalte Wind machte es mir nicht gerade einfacher und so entschloss ich mich für den restlichen Weg einfach ein Taxi zu nehmen, die Sprachbarriere machte das nicht gerade einfach, zudem konnten die Fahrer natürlich auch die Adresse nicht lesen. Freundlicher Weise übersetzte dann eine junge Dame für mich und so ging es fix in Richtung warmes Bett, so hoffte ich. Wie es das Schicksal so will, hatte Sie ihm nur die U-Bahn Station gesagt und so musste ich mir erneut jemanden zum Übersetzen suchen, nach kurzer Zeit fand ich auch drei junge kichernde Damen, die meinem Taxifahrer (es gibt ja in einigen Kung Fu Filmen immer einen älteren angetrunkenen Mann der total verplant ist und eine dicke Hornbrille trägt und nuschelt, genau so sah meiner aus und so verhielt er sich auch) den Weg zu meinem Guesthouse erklärten. So erreichte ich dann kurz nach 03:00 Uhr mein Ziel und da niemand mehr an der Rezeption war, legte ich mich zum Schlafen auf die bequeme Ledercouch.

Nachdem ich fast den ganzen ersten Tag auf meinen Rucksack gewartet hatte, ließ ich dann nochmal bei der Airline anrufen, die mir leider mitteilen mussten, dass man mein Gepäck wiederum in Shanghai liegen hat lassen. Freundlicherweise lieh mir dann eine der Mitarbeiterinnen eine ihrer Jacken um abends mit den Jungs aus dem Hostel weg zu gehen und ja ich sah mit der viel zu kleinen Daunenjacke aus wie ein Michelinmännchen. Der Abend war toll und wir waren bis morgens um 07:00 Uhr unterwegs. Preismäßig spielt Südkorea etwa in einer Liga mit Europa, einzig die Kostenfür Unterkunft und Fortbewegung sind hier viel günstiger und so zahlt man für eine Fahrt mit der Ubahn circa 80 Cent. Deutlich besser finde ich auch die Bezahlmöglichkeiten, so gibt es hier Geldkarten, die man überall aufladen lassen kann, mit der man nicht nur die Ubahn zahlt, sondern auch Bus, Taxi, sogar in einigen Läden, etc. in diesem Punkt hat Europa noch einen wahnsinnig großen Nachholbedarf.

Am nächsten Tag kommt dann auch endlich mein Rucksack und so kann ich mich frisch bekleidet auf den Weg in die Stadt machen. Es ist nach über drei Monaten Linksverkehr wirklich schwer wieder auf rechts umzuwechseln. Wovon ich hingegen begeistert war ist meine Regenjacke die ich auf Sri Lanka gekauft hatte, da diese aus Gummi besteht kommt da wirklich kein Wind durch und sie hält gut warm und so konnte ich mir das Geld für eine Winterjacke sparen. Ich ließ es mir trotzdem nicht nehmen einen der Kleidermärkte zu besuchen. Der auf dem ich war ist ein Paradies für Frauen, in mehreren Gebäuden, die sich über einen Kilometer weit aneinander reihen und auf 3 verschiedenen Stockwerken gibt es einen kleinen Kleidershop nach dem Anderen. Bevor ich mich als Mann jedoch in die Höhle des Löwen hinstürzte, widmete ich mich erstmal den kleinen Essensständen und der regionalen Küche, was ich keinen falls bereute. In den nächsten Tagen sollte ich auch feststellen, dass ich in Seoul in der ersten Woche fast den gleichen Tagessatz an Geld benötigt habe wie im teueren Australien. Nur dass meine Moneten jetzt nicht mehr für teure Hostels, Transportkosten, etc. draufgingen, sondern ich das hier eingesparte Geld in Lebensqualität (Essen gehen, mehrmals ausgehen, etc) investierte, die sich ein normaler Traveller sonst nicht so oft leistet. Aber das habe ich mir auf jeden Fall verdient.

Frisch gestärkt betrat ich den Albtraum eines jeden Mannes und ließ mich mit der Menge durch die Bekleidungsstände treiben. Als ich später am Abend mich Richtung Heimat aufmachen wollte, wurde ich von einem jungen Mann angesprochen, ob ich nicht Lust hätte an einem Fotoshooting teilzunehmen und mal ehrlich, wer lässt sich schon die Chance nehmen auf internationaler Bühne als Model zu arbeiten! 😀 Gesagt getan und so trafen wir uns einige Tage später an der gleichen Stelle wieder und fuhren in ein Fotostudio. Ich für mich dachte natürlich, es wäre das Projekt eines Studenten oder eines Fotografen, aber wie sich herausstellte, betreibt er einen kleinen gut laufenden Internethandel für Textilien ( www.Horsecabbage.com ) und fotografierte selbst, letzteres allerdings weniger professionell. Was mir allerdings egal war, ich machte es ja nur zum Spaß! Der Tag war auch sehr lustig, da die Beiden so gut wie kein Englisch sprachen und man sich nur mit Händen, Füßen und dem Google Translator verständigte. Die Klamotten die ich anziehen musste waren jedoch nicht mein Fall. Wenn ich es auf einen Punkt bringen muss, HIPSTER! Ich hatte noch nie so enge Hosen an und auch schon lange keine so engen Pullover. Ein Paar der Schuhe war so klein, dass sogar das bloße Stehen darin weh tat. Wenn ich die Fotos habe, werde ich eventuell auch ein paar veröffentlichen, aber nur eventuell! Nach dem Shooting wollten Sie mir dann eine der Jacken schenken, was ich jedoch dankend ablehnte, da sie 1. nicht mein Fall war und ich 2. eh keinen Platz in meinem Rucksack habe. Abends luden sie mich dann zum Essen ein (siehe Bilder) und womit ich auf keinen Fall gerechnet hatte, ich bekam auch noch Geld für das Shooting und ja, ich kann jetzt von mir behaupten, dass ich für 5 Stunden Arbeit 120.000 verdient habe! 🙂 Leider aber nur Won und keine Euro, das sind aber trotzdem umgerechnet 100 €, was mit natürlich extrem gefreut hat.

Die erste Woche in Südkorea endete mit meinen neuen Freunden aus dem Guesthouse beim Weggehen, wie so oft gibt es im Vorfeld oder auch danach entweder Chicken and Beer oder Korean BBQ (siehe Bilder)!  Wir waren sogar im Gangnam District, jedoch ist hier keiner so komisch rumgehüpft wie dieser komische Psy oder wie er heißt.

Morgen geht es weiter in die nächste Stadt! Trotz dieser ganzen Querelen mit der Anreise, etc. kann ich sagen, es gefällt mir hier wahnsinnig gut (trotz der Kälte) und genau solche Geschichten wie mit der Fahrt zum Guesthouse oder der Sprachbarriere beim Shooting, dass sind die kleinen Abenteuer und Herausforderungen im Alltag, gepaart mit dem Essen und der anderen Kultur, die mir in Australien so sehr gefehlt haben.

In diesem Sinne bis Bald!