Reisebericht Teil 12

Reisebericht Teil 12:

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

Grenzerfahrungen, Zeitreisen and a never Ending Story!

An meinen letzten Tagen in Südkorea stand noch ein großer Punkt auf meiner Liste und zwar war die DMZ (demilitarisierte Zone) zwischen Nord- und Südkorea, quasi die Berliner Mauer von Korea. Die Paralellen zwischen der DMZ und der Berliner Mauer dürften ja bekannt sein. Genau wie Deutschland einst getrennt von Russen und Amerikanern im Kampf der Systemen, aber leider noch nicht wiedervereint. Tunnelbau wurde hier auch betrieben, leider nicht zur Flucht, sondern für den Einmarsch nach Südkorea, wie verschiedene alte Tunnel beweisen. Den Dritten dieser vier Tunnel besuchten wir auf unserer Tour, bevor es weiter zu einem Aussichtspunkt ging, an dem man Richtung Nordkorea blicken könnte. Hier sah man ein Industriegebiet das von beiden Staaten als Gemeinschaftsprojekt betrieben wird. Firmen aus Südkorea mit (Billig-???) Arbeitern aus Nordkorea. Zwar habe ich mit beiden Händen intensivst gewunken, jedoch wollte mein Freund Kim Jong Un sich nicht zeigen und zurück winken. Auch in den Zug nach Nordkorea wollten sie mich nicht einsteigen lassen, mit der einfachen Behauptung (was leider wahr ist), dass sie den Zugverkehr vor 6 Jahren eingestellt haben, da damals eine südkoreanische Touristin in Pyeongyang durch einen Soldaten ums Leben gekommen war. Seitdem herrscht wieder die Politik der kalten Schulter. Nicht mal mein kurz angestimmtes „Entschuldigen sie ist das der Sonderzug nach Pyeongyang, ich muss da eben mal hin…“ konnte sie überzeugen, vielleicht war aber gerade das der eigentliche Grund!

Das Gefühl wieder an der Grenze eines geteilten Landes zu stehen war komisch, wodurch viele Erinnerungen hoch kamen, z. B. wie ich damals mit meinen Eltern vor dem Fernseher saß und den Fall der Mauer beobachtet habe. Das war ein Ereignis, das sich als Kind in meinem Kopf eingebrannt hat. Ich hatte dadurch auch einen besseren Gesprächszugang zu diesem Thema als andere Ausländer ihn in Korea haben. Auf die Frage ob sie auch eine Wiedervereinigung möchten, teilten sich die Meinungen leider enorm. Einige von Ihnen wollten sie, aber die Mehrzahl legte keinen großen Wert darauf. Die Gründe hierfür schwankten zwischen Gleichgültigkeit, der Angst vor den enormen Kosten, sowie der eventuell folgenden Einwanderungsflut sowie Jobkämpfe. Man darf gespannt sein ob es einmal dazu kommt, zu wünschen wäre es.

An diesem sowie am nächsten Tag machte ich noch zwei weitere lustige Beobachtungen.

Was glaubt Ihr wie eine Sorte dunkle Schokolade in Südkorea heißt? Genau, GHANA BLACK (siehe Foto), wohl der beste Name für eine dunkle Schokolade ever!

Die andere Sache war mir aus Deutschland schon bekannt, jedoch nicht in einem so großen Ausmaß wie hier, war die Nutzung von Mobiltelefonen. Ich bin mehrere Male zur Rushhour mit der U-Bahn gefahren und kam mir wie der einzig Lebende in einer ZOMBIENATION vor. Sogar beim Durchqueren der Bahnhöfe liefen die Menschenmassen alle mit Kopf nach unten auf ihr Handy starrend durch die Flure und ich übertreibe hier nicht. Ich war einer der vielleicht 3 Prozent, die den Kopf oben hatten beim Laufen und so war es ein Spießroutenlauf niemanden umzurammen, oder ihnen in die Haken zu laufen.

Einige Tage später war es dann soweit, Valtentinstag! Für diesen Tag hatte ich mir etwas besonderes ausgedacht. Ich ging gegen Abend zum Seoultower um auf der Spitze die Aussicht über die Stadt genießen zu können und hatte dort ein Date! Ja ein Date! 😀 Mit mir selbst und einer Tafelschokolade, die wir uns zusammen schmecken ließen, während wir auf das hell erleuchtete Seoul herabblickten! Dieses Date, oder zumindest der Teil mit der Schokolade sollte sich noch über einige Tage hinweg fortsetzen.

Der letzte Abend in Seoul war irgendwie sehr traurig, da ich mich im Bong House sehr wohl gefühlt hatte. So schluckte ich die Trauer noch mit etwas Chicken herunter und ging früh ins Bett um Kräfte für die Weiterreise zu sammeln, was sich später noch als sehr sinvoll herausstellen sollte.

Mein Flug tags darauf ging über „drei“ (Zeitverschiebung mit eingerechnet) Tage und beinhaltete 2 Stopover, womit das nächste Flugdrama begann. Nach einem Übernachtflug, bei dem ich nicht wirklich schlafen konnte, musste ich mich in Seattle beeilen meinen Anschlussflug zu bekommen. Mehrmals wurden wir im Flugzeug und nach der Ankunft am Flughafen darauf hingewiesen, wo wir hingehen müssten um zu den Gates zu kommen, aber dass Sie das Abfluggate geändert hatte, das war nie Teil der Durchsage. So stand nicht nur ich, sondern auch viele andere im falschen Terminal am falschen Gate und verpassten so unseren Flug. Als nächstes durften wir uns von Delta Airlines noch anhören, wir hätten uns besser informieren müssen und auf die Abflugtafel schauen nach der Ankunft, ob sich etwas geändert hätte, wobei es auf unserem Weg von den der Einwanderungsbehörde, über die Sicherheitskontrollen hin zur Untergrundbahn die uns ins andere Terminal brachte, es keine dieser Tafeln gab, da diese nur in den Abflughallen hingen, was ihr der aufgebrachte Mann neben mir auch ziemlich lautstark klar machte. Das war auch nicht das Ende, sondern leider nur der Zwischengesang des Trauerliedes das und Delta Airlines sang. Ich wurde nämlich von Delta Airlines auf einen Flug von Alaska Airlines gebucht, der 7 Stunden später nach LA fliegen sollte, womit der 20 stündige Aufenhalt samt privater Führung eines Couchsurfers durch die Stadt der Engel gestorben war. Als ich dann final bei Alaska in einem anderen Teil des Flughafens einchecken wollte, wurde mir von diesen jedoch freundlichst mitgeteilt, ich sei nicht auf diesen Flug gebucht und ich müsse das mit Delta regeln, die warum auch immer nicht ans Telefon gingen. Die Laune fiel schlagartig noch tiefer ab, weil damit klar war, dass auch der nächste Flug für mich gestorben war. Wieder bei Delta im anderen Terminal angekommen versuchten sie sich in diversen Ausflüchen und schimpften über die Unfähigkeit von Alaska. Lustigerweise wurde mir dann noch mitgeteilt, dass mein Gepäck schon in LA wäre. So durfte ich dann eine Nacht auf Kosten der Fluglinie in Seattle übernachten, was sich nicht lohnte, da ich ein paar Stunden später schon wieder den ersten Flug des Tages nach LA erwischen musste, um meinen Anschlussflug zu erreichen. Dieses Mal klappte alles planmäßig und nach einem kurzen Stopover in LA landete ich etwas später an meinem Zielflughafen. Jedoch auch nur ich und nicht wie versprochen zusammen mit meinem Gepäck, denn das war mal wieder verschwunden. Lustigerweise las ich einige Tage vorher, dass nur jedes 100ste Gepäckstück verschütt geht, was ja angesichts der Anzahl an Fluggästen schon hoch ist, aber wieso es da gerade zweimal nacheinander mich trifft bleibt wohl ein Rätsel. Soviel Glück möchte ich das nächste Mal bitte dann beim Lotto spielen auch haben!

Mittlerweilen ist mein Gepäck angekommen und wir können gemeinsam die Sonne genießen! Wenn ihr jetzt wissen wollt wo ich bin, dann müsst ihr die Fotos durchklicken, vielleicht findet sich dort ja ein kleiner Hinweis auf meinen Aufenthaltsort! 🙂

Ach ja und eines dürft Ihr nicht vergessen! Vor einigen Tagen war ich noch euere Zukunft, aber jetzt bin ich eure Vergangenheit und ihr seit meine Zukunft, also enttäuscht mich nicht! Das Leben als Zeitreisender hatte ich mir übrigens schöner vorgestellt! 😉

Bis zum nächsten Mal!