Reisebericht Teil 14

Reisebericht Teil 14:

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

Von Verrückten, Familienplanung unter der Dusche, Oldschoolfamilienportraits und der einsetzenden Reisefaulheit!

Nachdem ich in San Juan gelandet war, setzte mir die Mittagshitze nach der langen Reise erheblich zu und so setzte ich mich erst einmal planlos auf die Bank an der Bushaltestelle um zu entspannen. Hier setzte sich kurz darauf eine ältere kleine Dame neben mich, die zu meinem erstaunen ein perfektes Englisch sprach, was man von den Jugendlichen vorher nicht behaupten konnte. Sie erklärte mir dann in aller Ruhe mit welchen Bussen ich in die Stadt kommen würde. Da sie teilweise den gleichen Weg hatte fuhren wir gemeinsam Richtung City.

Angekommen in Old San Juan ließ ich mich nach kurzer WiFi-Suche in einem Starbucks nieder um bei einem Eiskaffee gemütlich nach einer Unterkunft im Internet zu suchen. Vieles war jedoch bereits ausgebucht und ich suchte mir ein nahegelegenes Hostel heraus, welches bei einem Preis von 25 $ mit Abstand das Günstigste war. Da ich keine genaue Adresse hatte suchte ich den bei AirBNB angegebenen Umkreis nach dem Hostel ab. Da ich es nicht fand kehrte ich wiederum in die WLAN-Zone bei Starbucks zurück um die Angaben ein weiteres Mal zu überprüfen. Bei der zweiten Suche klappte es dann durch die Mithilfe eines Barbetreibers die Jugendherberge zu finden. Wie sich herausstellte, war ich bereits einige Male daran vorbeigelaufen und zu meier Verteidigung darf ich anmerken, das nur ein circa 15 x 5 cm großes Schild mit der Aufschrift Base an der Tür auf das Hostel aufmerksam machte.

Ein älterer Amerikaner namens Bill öffnete mir die Tür. Bill half in dem Hostel von Zeit zu Zeit aus und konnte dafür frei dort nächtigen, was bei der Preislage auch mein Plan war. Wenig später kam Jose der Besitzer des Hostels, erst später sollte ich herausfinden welch ein verrückter Vogel er ist, er bot mir nach einer kurzen Unterhaltung auch an gegen ein wenig Arbeit auf der Couch schlafen zu können. Da Bill einige Tage darauf aufgrund persönlicher Gründe plötzlich abreiste und ich alle arbeiten übernahm, was nicht unbedingt viel aufwändiger war als vorher, wurde für mich der Aufenthalt auch monetär etwas profitabel und ich erhielt eine kleine Aufwandsentschädigung. Zwar würde ich damit nicht reich werden, aber für ein bißchen was zu Essen und das ein oder zwei Kaltgetränke würde es gerade so reichen.

Später am Abend konnte ich dann als Arzt und Apotheker einem anderen Reisenden mit Rat und Reiseapotheke beiseite stehen, wobei mir ein komischer Zettel in meiner Seitentasche auffiel. Dieser verwies auf die amerikanischen Zoll- und Sicherheitsbehörden, die anscheinend mein Gepäck durchsucht hatten. Die Enttäuschung für Sie wird  wohl groß gewesen sein, als sie nichts gefunden haben! 😀

Dieser Abend sollte übrigens der Anfang von vielen lustigen und spannenden Tagen im Basehostel werden (vielleicht sollte ich auch ein Hostel betreiben). Angefangen mit einer lustigen Geschichte, die man so schon aus unzähligen YouTube-Videos kennt. Ich war nämlich gerade unterwegs um Hygieneartikel für das Basehostel zu besorgen, als ich von Weitem beobachtete, wie jemand mit seinem Auto zum Parken ansetzte und noch etwas weiter hinten ein Polizeiauto in die Straße einbog. Ich besorgte fix in einem 99 Cent Laden alles was ich benötigte und machte mich auf den Rückweg. Wie ich den Laden verließ ertönte ein Geräusch welches mir aus Indien und Sri Lanka nur noch zu gut in Erinnerung geblieben war, die Hupe eines Autos. Die Person war nämlich immer noch am Einparken und dahinter hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet. Da es keinen großen Unterschied machte welchen Weg ich zurück nahm, lief ich in Richtung des Verkehrstaus. Beim näherkommen an den Ort des Geschehens platzte einem Polizisten wohl langsam der Geduldsfaden. Leicht genervt stieg der aus seinem Dienstwagen aus, klopfte an die Scheibe des einparkenden Kraftfahrzeuges, bat die sich darin befindenden Frau auszusteigen und parkte das Auto schließlich selbst in einem Zug in die kleine Parklücke ein. Natürlich möchte ich damit nicht sagen, dass Frauen nicht einparken können, da ich durchaus das Gegenteil kenne, sowie Männer die das nicht können, aber ich sah beim weitergehen doch in die sichtlich erleichterteten Gesichter aller Beteiligteten, die mir mehr oder weniger genau diesen Gedanken vermitteltend.

Am Freitag stellten Jose und ich dann fest, dass wir am selben Tag Geburtstag haben und er genau 20 Jahre älter ist als ich. Jose ist in seinem Leben auch viel um die Welt gereist und lebt mit seiner Frau eigentlich in New York. Er kommt aus Puerto Rico und hat das Hostel als Joint Venture mit einem Freund gegründet. Sein Kumpel stellt das Gebäude zur Verfügung und er leitet es. Zwar peilt er das mit den Buchungssystemen noch nicht so ganz und so waren wir ein paarmal überbucht, was sich aber mit ein paar Luftmatratzen und günstigeren Preisen glücklicherweise alles regeln ließ, dafür ist er im organisieren, gestalten des Hostels und dem Unterhalten der Gäste umso besser. Zudem ist er auch noch völlig durchgeknallt. Da bekommen Gäste am Telefon dann schonmal gesagt, dass man zwar ein paar Leute hätte umbringen müssen, aber jetzt Platz für Sie sei. Wer jetzt denkt, das ist doch gar nicht so schlimm, dem sei gesagt, dass das nur die Spitze des Eisberges war. Weitere Details und lustige Lach- und Sachgeschichten mit und von Jose werde ich euch lieber mal persönlich an dem ein oder anderen gemütlichen Abend in der Kammer oder auch sonst wo erzählen.

Kurz darauf trafen zwei Jungs aus München ein, die für nur 330 € einen Hin- und Rückflug nach Puerto Rico gefunden hatten. Da es Freitag war gingen wir etwas später zusammen mit zwei Mädels aus Brooklyn in die direkt an das Hostel angrenzende Calle de St. Sebastian, welche die Amüsiermeile in Old San Juan darstellt. Hier fand ich in der zweiten Kneipe sogar deutsches Bier. Wie ihr auf einem der Fotos erkennen könnt nicht nur die allgemein bekannten Exportschlager die keiner mag, sondern Bier aus der fränkischen Heimat. Da die Preise dafür jedoch viel zu hoch waren und ich gerade sowieso keinen Durst hatte wollte ich eine Runde aussetzen. Falsch gedacht! Schon wurde ich von unserer Begleitung gedrängt mir doch etwas zu bestellen, nachdem ich ihr freundlich versucht hatte klar zu machen, dass ich keinen Durst hätte und es mir hier sowieso viel zu teuer wäre, bestand sie darauf ich solle mir eines der deutschen Biere bestellen. Da ich mich natürlich ungern schlagen lasse und sie auch nicht mit sich reden ließ, bestellte ich mir eben eines jener Biere, was übrigens geschlagene 9 $ gekostet hat. Der restliche Abend war dann auch irgendwie für mich frei, denn in der letzten Bar bekamen wir dann von einem jungen Mann der mich und einen der beiden Jungs aus München anflirtete noch einige Shots spendiert und eines der Brooklyn Girls gab auch eine Runde nach der Anderen aus.

Am nächsten Mittag standen wir dann alle über die Duschkabinen verteilt bei der täglichen Hygiene, als sich eine komische Unterhaltungssequenz abspielte. Im Gespräch wurde ich von genau jenem Brooklyn Girl gefragt, ob ich mir denn Kinder vorstellen könne. Da ich natürlich in einem Alter bin, in dem dies durchaus möglich ist und ich auch nichts dagegen hätte, antwortete ich mit Ja. Worauf Sie, zumindest ihrer Stimme nach zu urteilen, ganz trocken und ernst mit dem Satz, „dann komm nach New York“ antwortete. So schnell kanns gehen, kaum kennengelernt und schon fängt die Kinderplanung an! Ich ließ diese Aussage jedoch weitesgehend unkommentiert, da ich sie nicht für Ernst nahm und noch dazu alle durcheinander redeten.

Die Freizeitgestaltung hielt sich dieser Tage in Grenzen, ich besuchte in Old San Juan ein Museum, sah mir die Umgebung mit den alten Festungsanlagen an, ging zum Strand oder besuchte die Firma Bacardi auf der anderen Seite der Bucht, was sich leider etwas spannender anhört als es in Wirklichkeit war. Spannender hingegen war, wie ich unter Einsatz meines Lebens die Wäsche gewaschen habe, da ich mir dabei nämlich tierisch die Ömmen an einem Stahlträger der Terrasse angehauen habe, unter der die Waschmaschine stand und dabei eine krachende Beule samt Platzwunde davongetragen habe. Nach kurzem stoppen der Blutung mit einem Tuch und dem auswaschen der Wunde war es dann auch gleich wieder gut. Die Blutung hörte auf und mittlerweilen ist ein Krint darauf. Wie man sieht muss man doch nicht alles nähen lassen. Für alle Mediziner und Krankenschwestern unter euch, ich hatte kein Kopfweh, noch war mir schwindelig oder schlecht, noch sonst etwas, alles gut, keine Gehirnerschütterung! Außerdem kennt ein Indianer keinen Schmerz!

Die Woche verging ziemlich schnell und viele interessante Menschen kamen und verließen das Hostel. Auch ereigneten sich jeden Abend lustige Dinge auf der Partymeile die man von einem unserer Balkone beobachten konnte. Wie z. B.  die jungen Amerikaner die betrunken Liegestütze um die Wette machen, Pärchen die zusammen torkelnd die ganze Straße benötigten, bis hin zum möchtegern Coolen, der unter den Anfeuerungsrufen seiner Kumpel mit voller Wucht das eigene Handy auf das Kopfsteinpflaster knallte, um sich kurz darauf voller Unglauben und über sich selbst und seine Dummheit ärgernd auf einem Auto wälzte. Anschließend ließ er die Wut darüber an der armen danebenstehenden, unbeteiligten und unschuldigen Mülltonnen aus.

Die Tage im Hostel vergingen schnell und ich lernte dort viele tolle und interessante Menschen kennen. Einige wollten auch ein Abschiedsfoto und so kam ich auf die Idee, wir könnten eines dieser alten Familienfotos nachstellen, auf denen jeder seine Position hat und keiner lacht. Das Ergebnis seht ihr bei den Fotos und ich darf sagen, es ist uns auch gelungen.

Am gleichen Tag als dieses Foto entstand reiste auch ich weiter nach Mayagüez. Die Mutter von Jose fuhr mich zu einer Bushaltestelle, von der aus Kleinbusse Städte auf der ganzen Insel anfahren. Spät abends kam ich in meinem neuen Domizil an und mein Couchsurfinghost Gabriel holte mich am Busterminal ab. Abends ging es dann direkt in die nicht weit entfernte Stadt Rincon. Hierzu muss man erklären, dass Mayagüez eine Studentenstadt ist in der am Wochenende nicht viel los ist, wogegen Rincon ein beliebtes Urlaubsziel für viele Touristen und Surfer ist. Dort spielte eine tolle Band Namens „D Dysfunction“ die einen schnauzbärtigen selbstzerstörerischen Leadsänger hatten, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen hatte und der mich in seiner Art und Weise wie er auftrat doch sehr an Jim Morrison erinnerte. Am nächsten Morgen schlief ich endlich mal wieder aus, denn die Woche über war mein Schlafplatz (die Couch) doch ziemlich oft von den jungen Wilden bis in die Morgenstunden belagert, wodurch die Nächte nicht unbedingt lang für mich waren. Später ging es dann mal wieder an den Strand.

Eigentlich war ja geplant, dass ich nach dem Wochenende Richtung Ponce weiterreise, da sich im Moment aber noch niemand zwecks Couchsurfing bei mir gemeldet hat und ich irgendwie auch von einer komischen Krankheit befallen bin, die sich Reisefaulheit schimpft, werde ich wohl zu Wochenbeginn nach San Juan zurückkehren um dort meine restliche Zeit in Puerto Rico mit chillen und Tagesausflügen, zusammen mit anderen Reisenden aus dem Hostel, verbringen werde.

In diesem Sinne bis bald!