Strand Puerto Rico

Reisebericht Teil 15

Reisebericht Teil 15:

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

Bettel SMSen, Eierdiebe, völlig losgelöste Frauen, der neuste Dancemove und Dr. Nick Rivera!

Ich schrieb also nach meinem Anfall von Reisefaulheit Jose, um Ihn darüber zu informieren, dass ich vielleicht doch etwas früher als geplant zurück ins Hostel kommen würde. Was mich überhaupt nicht überraschte, war seine Antwort! Er schrieb nämlich wie sehr er sich darüber freuen würde, wenn ich etwas früher zurückkomme und man könnte ja einen neuen Deal aushandeln! Auf gut Deutsch gesagt, KOMM BITTE SO SCHNELL WIE MÖGLICH WIEDER ZURÜCK!

So fuhr ich zu Wochenbeginn mit dem Inselweit agierenden Reisefaulheitsnotdienst zurück nach Old San Juan. Als ich im Hostel eintrudelte kam mir schon seine Mutter (88 Jahre jung!) völlig erschöpft entgegen, nahm mich in den Arm und sagte wie schön es doch wäre, dass ich wieder da bin. Sie hatte den ganzen Tag gewaschen und geputzt hat (der Waschplatz ist unter der Terrasse und man muss zwei kurze aber steile Treppen hinunter steigen, allein das ist für eine 88 jährige Frau schon anstrengend und dann noch mit Wäschekorb! RESPEKT!) und jetzt nur noch nach Hause will, da Sie total fertig ist. Alleine das hat mir gezeigt wie sehr er an dem Wochenende ins Straucheln gekommen war. Ich möchte auch gar nicht wissen wie es weiter geht, wenn ich bald nicht mehr da bin. Dies bot mir jedoch eine gute Verhandlungsbasis, da er wohl gesehen hat, was da alles dranhängt das Hostel alleine zu führen und keine Hilfe dabei zu haben. Er hatte nämlich bisher immer jemanden gehabt der Ihm geholfen hat, während er sich zumeist nur um Umbaumaßnahmen gekümmert hat oder irgendwo anders war (das Hostel gibt es übrigens erst seit November 2014). Die Verhandlungen liefen gut und so kann ich mir jetzt nicht nur etwas zu Essen und das ein oder andere Kaltgetränk leisten, sondern wie gestern z. B. den besten Eiskaffee den ich je hatte! Nicht etwa wie einige von euch jetzt vielleicht denken bei Starbucks oder einer anderen großen Cafekette! Nein! Den gab es in einem kleinen Cafe, geführt von einem süßen alten Ehepaar. Der Laden war zwar nicht groß, vielleicht so ca. 4 Meter breit und 12 Meter lang, mit ein paar Klapptischen und einer Eistheke, dafür aber sehr gemütlich und wie gesagt mega lecker! Allgemein sind die Leute hier sehr freundlich. Sogar die Oma von neben an scheint mich schon in ihr Herz geschlossen zu haben (auch wenn wir uns nur mit Händen und Füßen verständigen können), denn sie reichte mir letzte Woche schon einen Teller mit Essen durch die Gitterstäbe vor ihren Fenstern. Hierbei hab ich mich dann aber wegen der Gitterstäbe eher wie ein Gefangener im Kittchen gefühlt! 🙂

So zogen die letzten eineinhalb Wochen wie im Flug an mir vorbei. Es ereigneten sich natürlich wieder viele lustige Geschichten, von denen ich euch leider wieder mal nur ein paar erzählen kann, da die Mehrheit einfach nicht für das große Internet geeignet sind! Ach und bevor es nachher die Beschwerde hagelt, ich würde ja nur über Frauen schreiben, so darf ich euch sagen, dass es leider auch immer nur Frauen waren die sich entweder daneben benommen, oder den Vogel abgeschossen haben!

Und ab geht die wilden Fahrt!

Anfangen möchte ich mit der Eierdiebin, die anschließend auch noch meine „Nüsse“ haben wollte! Ich kam mitten in der Nacht heim und dachte mir schon, was isst die denn da, die hat doch gar nichts im Kühlschrank und nach kurzer Prüfung stellte ich fest, dass es meine Eier waren die da wohlduftend auf ihrem Teller lagen. Darauf angesprochen reagierte sie, nur in einem Höschen und Shirt am Tisch sitzend, mit einem betrunkenen gelangweilten und von desinteresse durchzogenen Schulterzucken. Als sie dann auch noch den Versuch startete mit mir zu flirten, flüchtete ich doch besser auf meine kurze Runde durchs Hostel, um zu sehen ob alles in Ordnung ist (währenddessen spielte sich paralell die anschließende Geschichte ab), da ich ihr betrunkenes schiefes Lächeln mich nicht wirklich ansprach. Als ich jedoch von meinem Kontrollgang zurück kam, stand sie (ihr Bauch weit über ihr Höschen hängend und immer noch total schiefen grinsend) im Türrahmen und wollte mich an der Hand ins Zimmer ziehen, was ich mit einem kurzen „No thank you, I am not interested“ dankend ablehnte. Ach ja, von Beruf ist die gute Dame übrigens  eine gerade fertig studierte Ärztin mit Fachrichtung Gehirnchirurgie!

Die sich paralell abspielende Geschichte begann damit, dass an jenem Abend vom Balkon aus sah, wie eine unserer volltrunkenen Hostelbesucherinnen, von einem jungen Mann nach Hause gebracht wurde, da sie alleine schon gar nicht mehr richtig gehen konnte. Ich ging Ihnen also die Treppe hinab entgegen um zu helfen. Als wir wieder im Gemeinschaftsraum ankamen legte ich sie aufs Sofa und holte ihr noch eine Decke, damit das kleine Mädel nicht friert und sich im Urlaub einen Schnupfen holt. Wer sich von euch jetzt schlaufuchstechnisch denkt, klar die kotzt halt aufs Sofa, dem sei gesagt, „NEIN“, da liegst du total daneben, denn das machte nämlich die Big Mama am nächsten Tag und ließ dabei leider auch nichts aus. Nicht die Wand, nicht die Toilettentür und schon gar nicht die arme Toilette selbst! Bis ich das mitten in der Nacht alles sauber gemacht und von der Wand gekratzt hatte, verging circa eine ganze Stunde! Nein, dieses Mädel hat sich komplett anders entschieden, sie wollte nicht mal versuchen aufs Klo zu gehen, sie hat lieber gleich aufs Sofa gepinkelt! War natürlich sehr toll als ich das am nächsten Tag feststellen und sauber durfte! Beide konnten sich nicht mal mehr daran erinnern und hielten es dann aber irgendwie auch nicht für nötig sich dafür zu entschuldigen, als sie davon erfuhren. Schlechte Erziehung eben!

Ein lustigeres Erlebnis war dafür die Erfindung des neusten Alltagsdancemoves! Wer kennt sie nicht die altbewährten Dancemoves wie den Busfahrer, die Gangschaltung, oder wie es Otto schon in „Otto der Außerfriesische“ vormachte, den „Ich muss aufs Klo“ Move. Die neuste Kreation jener legendären Bewegungen trägt den Namen „Grab the Eggs.“ Bevorzugt angewendet von jungen Frauen, die den wenigen auf der Tanzfläche anwesenden Männer nicht nur an Ihrer intimsten Stelle im Gesicht, also dem Bart, sondern auch an die etwas tiefer liegende Intimzone greifen wollen. Ich war mit einigen der Gäste in der Bar/dem Club „La Factoria“ und wir tanzten zur Musik, die unser DJ Freund Ray Lugo auflegte, der ebenfalls im Hostel schlief. Ray hat auch zwei Bands, früher spielte er in Punkbands und tourte durch Europa. Im Sommer wird er auch in Europa unterwegs sein und legt dabei übrigens auch auf dem Fusion – Festival auf! Mal sehen ob ich ihn diesen Sommer wiedersehen werde! Auf jeden Fall tanzte eine der Damen ganz wild und griff mir dabei, wie sie anschließend beteuerte, ganz unabsichtlich mit ihrer rechten Hand in den Schritt. Die umstehenden Gäste sahen das aber irgendwie ganz anders und so gab es für sie an den nächsten Tagen immer wieder kleine Seitenhiebe auf ihre Danceskills.

Der „GRAB THE EGGS“ Move – Beschreibung:

1. Strecken Sie beim Tanzen wahlweise Ihren rechten oder linken Arm senkrecht nach oben!
2. Bewegen Sie ihren Arm hinter dem Rücken nach unten!
3. Formen Sie während der sanften Rückwärtsbewegung Ihres Armes die Hand zu einer Klaue, als würden Sie eine Flasche in der Hand halten.
4. Nach dem Vollenden der Abwärtsbewegung Ihres Armes um circa 225 ° sollten Sie am Ziel angekommen sein.

VORSICHT: Beachten Sie bei diesem Vorgang rechtzeitig Ihren Arm abzubremsen um im Zielgebiet keine bleibenden Schäden zu verursachen!

5. Greifen Sie sanft zu!

VORSICHT: Auch bei diesem Vorgang muss mit der nötigen Behutsamkeit vorgegangen werden, anderenfalls könnte das Ziel Ihres vorhabens gefährdet sein!

Die restlichen Geschichten werden wie im letzten Bericht bereits erwähnt, beim persönlichen Aufeinandertreffen an der Bar erzählt.

Was ich sehr toll finde, ist dass ich meinen Arzneibeutel bisher selbst nie benötigt habe, dafür mittlerweilen des Öfteren im Hostel für unsere Gäste. Mein neuer Spitzname ist deswegen auch Dr. Nick Rivera. Da ich ja kein wirklicher Doktor bin und eben nur ein gefährliches Halbwissen verfüge, finde ich den Namen des schrägen Arztes von den Simpsons gar nicht so schlecht.

Der gestrige Tag begann mit einer Tsunamiwarnübung, die Alarmglocken schrillten, es gab Durchsagen und einige Leute waren auf den Straßen unterwegs. Zwar beschwerten sich ein oder zwei Leute, ob sowas denn unbedingt am Morgen gemacht werden muss, aber nachdem ich Ihnen erklärt hatte, das Tsunamis auch nachts kommen können und es Sinn und Zweck ist, durch die lautstarke Beschallung die Leute aufzuwecken, fanden sie es dann doch irgendwie sehr einleuchtend und OK.

Die letzte und die nächsten Nächte werde ich wohl im neuen Appartement auf dem Dach verbringen, welches wir in den letzten Wochen gebaut haben! Ich bin also der erste Bewohner! Der Ausblick wenn einen morgens die Sonne wachküsst, ist auch gar nicht so schlecht! Blauer Himmel, Sonne in der ferne ein klein bisschen das Meer und die Dächer der umstehenden Gebäude! 😀

In diesem Sinne möchte ich auch den heutigen Bericht beschließen, er ist zwar nicht ganz so lang, aber ich war ja die letzen Tage auch sehr faul und nur im Hostel am arbeiten.

Dementsprechend bis die Tage und Euch schon einmal frohe Ostern!