Reisebericht Teil 3

Reisebericht Teil 3:

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

„Running in the Rain,“ „Zeit und Weg was ist das?“ und „Die Terrorfahrt des Todes!“

Die restlichen Tage in Palolem vergingen wie im Flug. Wir durften aus der Entfernung noch ein paar Delfine beobachten und trotzdem war bereits Freitag und Erik musste abends wieder abreisen. Aus diesem Grund entschieden wir uns den Tag gemütlich am Strand und in unserer Stammstrandbar  zu verbringen. Gegen Abend zog plötzlich ein starkes Unwetter auf, es begann wie aus Eimern zu regnen. Passanten und andere Strandgäste suchten Zuflucht in der Strandbar und so wurde es sehr schnell eng und gemütlich. Plötzlich durchbrach eine Stimme die andächtige Stille mit der Frage, „wollten wir eigentlich nicht noch baden gehen?“ Wir blickten uns alle nur kurz an und sprangen wie auf Kommando auf, zogen uns bis auf die Unterwäsche aus, sprangen über das Geländer hinunter zum Strand und rannten im Vollsprint durch den prasselnden kalten Regen die 200 m (wegen Ebbe) bis ins lauwarme Meer. Als wenn das nicht schon ein unbezahlbar schönes Gefühl gewesen wäre, dann spätestens als wir die Reaktion der anderen Bargäste sahen. Als wir uns nämlich im Wasser angekommen umdrehten, sahen wir ca. 20 andere Bargäste, auch nur in Unterwäsche oder ihren Badeklamotten bekleidet durch den strömenden Regen, der wie eine Nebelwand wirkte, auf uns zurennen. Spätestens jetzt war dieser Moment einfach überwältigend und unbezahlbar.

Erik reiste eine Stunde später ab und wir begaben uns mit Wille zum Piercer, da er sich genauso wie seine Freundin ein Nasenpiercing stechen lassen wollte. Gesagt, getan. Da er aber den dünnen Stecker vom Piercer nicht in der Nase behalten wollte, sondern stattdessen direkt einen Ring, sollten Bergi und Kunzi, obwohl Sie ihm davon abgeraten haben, es trotzdem versuchen, den von Ihm gekauften Ring durch das zu kleine Loch zu stecken. Leider klappte das alles nicht so ganz und so darf das Loch jetzt erst mal wieder zuwachsen.

Tags darauf war die Ernüchterung sehr groß, es war Reisetag und es regnete immer noch. Was laut den Einheimischen eher untypisch ist. Wie wir später erfahren sollten tobte auf dem Meer ein Zyklon, der für das schlechte Wetter verantwortlich war. Der Tag beginnt mit einem Drama. Anna hat ihre Gürteltasche samt Kamera verloren, alle Fotos der letzten 7 Wochen sind weg (Gut das Wille noch 2 Analoge Kameras dabei hat und ein paar Fotos gemacht hat). Nach langwieriger Detektivarbeit gab es nur einen Ort an dem die Tasche sein konnte und zwar bei dem Piercer der Ihr ein Nasenpiercing gestochen hat. Dieser wusste natürlich von nichts, muss sich aber sehr verdächtig verhalten haben. Da wir nichts beweisen konnten war die Suche hier auch beendet. So starteten wir unsere Weiterreise in die nächste Stadt.

Die Informationen die man von den ortsansässigen Touristikinformationen und den Einheimischen bekommt sind genauso unterschiedlich wie Tag und Nacht. Zuerst hieß es unser Bus würde von Palolem aus fahren, was sich allerdings als falsch erweisen sollte. Wir mussten erst noch zu einer anderen Bushaltestelle, die sich circa in 10 Minuten Fußweg Entfernung befinden sollte. So stapften wir voll beladen mit unseren Rucksäcken durch den Regen in die uns gewiesene Richtung. Nach 3 x 10 Minuten und komplett durchnässt kamen wir an der Bushaltestelle an. Zwar gabs hier noch ein paar weitere Verwirrungen über die ich an dieser Stelle aber getrost hinwegsehen werde. Nur eines war klar: Enfernungen, Zeitangaben und Informationen sind bei Indern immer mit extremer Vorsicht zu genießen. So hatte man uns auch schonmal die falsche Richtung angezeigt um nur ein Beispiel zu nennen. Zumindest gab es an der Bushaltestelle das bisher billigste, beste und reichhaltigste Tali, das wir bisher in Indien gegessen haben. Gut gestärkt ging es nun auf die Reise nach Gorkana zu unserem nächsten Ziel dem OM Beach.

Zu Gorkana gibt es nicht viel zu erzählen. Wir waren an einem kleinen Strand 6 km außerhalb von Gorkana dem sogenannten OM Beach, es ist hier jetzt noch sehr ruhig und da der Wetterbericht weiterhin Regen vorhersagt, zieht es uns schon nach ein paar Tagen weiter ins Landesinnere nach Hampi. Das Interessanteste an Hampi war die An- und die Abreise. Auf der Hinreise sah ich (führ die Fahrweise hier unglaublich aber war) den ersten Unfall. Ein LKW hat sich auf die Seite gelegt und hat dabei den halben leerstehenden Kiosk eingerissen und bei der Abreise ins Landesinnere nach Hampi stand uns (für alle Bardolino Insider) die „Terrorfahrt des Todes“ bevor, wie sich anschließend herausstellte. 331 km in, haltet euch fest, 11 STUNDEN! Anfänglich ging es noch über einigermaßen gute Straßen, später jedoch fühlte ich mich wie in einem Traktor der über den Acker fährt (keine Übertreibung und über die Beinfreiheit muss ich wohl nichts mehr sagen), die letzten fünf Kilometer nach Hospet ging es dann über eine gut ausgebaute Autobahn (welch ein Hohn). Erschöpft von der langen Fahrt und nachts um 1 Uhr mussten wir uns den überteuerten Preisen beugen und zahlten für die Fahrt weiter nach Hospet und die Unterbringung ungefähr das Doppelte als normal.

Der erste Tag in Hampi verlief aber viel besser und wir fanden eine tolle Unterkunft für einen Spotpreis für 150 Rupis pro Doppelzimmer. Somit zahlte jeder von uns für 7 Übernachtungen in Hampi die es werden sollten, trotz der ersten teueren Nacht, nur 10 Euro. Merke: Wer hier hinkommen möchte, übernachtet Nordteil der kleinen Stadt, hierzu müsst ihr den Fluss mit einem kleinen Boot überqueren, hier findet man viele günstige Guesthouses mit gutem Service. Vor allem kann man auch nur noch hier Mopeds ausleihen.

Hampi hatte einst über eine halbe Million Einwohner, von denen heute leider nur noch die Tempelanlagen zeugen. Diese waren auch sehr schnell abgearbeitet und wir konnten uns den schönen Dingen des Lebens widmen. Nachdem wir am ersten Tag schon einen langen Fußmarsch bis zum Stausee hinter uns gebracht hatten, beschlossen wir uns in den nächsten Tagen, wie ihr bereits gesehen habt, Mopeds auszuleihen. Die Landschaft hier ist echt toll und Moped fahren macht mega Laune!

Außer baden und chillen gibt es hier noch ein besonderes Highlight. Den sogenannten Sunsetpoint mit Jamsession. Hier treffen sich abends Touristen und auch Einheimische um den Sonnenuntergang von der Spitze eines Berges aus anzusehen und später oder auch währenddessen auf der Hälfte des Berges etwas Musik zu machen. Die Kulisse ist wunderschön und die aufgeheizten Steine haben auch zu späterer Stunde noch eine angenehme Temperatur.

Schnell ist aber auch diese Woche wieder vorbei und da Wille und Anna Ihre letzten Wochen am Strand verbringen möchten, trennen sich hier unsere Wege und wir sind wieder zu Dritt unterwegs, auf geht’s  weiter Richtung Süden.

Da ich diese Zeilen gerade im Zug verfasse, kann ich euch schonmal sagen, dass meine bisherigen Beschwerden über zu wenig Platz unbegründet waren. Mein heutiges Bett misst gerade mal geschätzte 1,70 m und ich bin 1,84 m groß!

Egal, nächster Halt: MYSORE!

Im Lonely Planet steht, wer Mysore nicht gesehen hat, der hat Südindien nicht gesehen!

Ich bin gespannt!

Euch noch einen schönen Tag!