Reisebericht Teil 7

Reisebericht Teil 7:

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

Von geizigen Schwaben, Batman und der Reise in die spirituelle Glückseeligkeit!

Der Flug nach Melbourne dauerte nur 3,5 Stunden, durch die Zeitverschiebung war die geplante Ankunftszeit 0:10 Uhr, die am Hostel 02:00 Uhr. Wie erfahrene Traveller aber wissen, ist das die denkbar ungünstigste Zeit zum einchecken. Entweder man zahlt für die paar Stunden schlaf oder man versucht sich diese irgendwie um die Ohren zu schlagen. Ich entschied mich selbstverständlich für letzteres, es soll ja nicht umsonst gewesen sein, dass ich solange bei den Schwaben gelebt habe! 😀 Da der Flug auch noch ca. 1 Stunde zu früh in Melbourne ankam, sah ich schon eine lange Nacht auf mich zukommen. Widerwillig aber vom Shuttlebus in die Stadt abhängig, berappte ich 18 $ für den diesen Bus, da es in Melbourne anscheinend keine öffentlichen Busse vom Airport in die Stadt gibt, was natürlich eine mega Frechheit ist. Mehr Glück hatte ich dann bei meinem Hostel, der Nachtportier war Deutscher und da mein Bett im Zimmer schon „frei“ war, checkte er mich schon um 06:00 Uhr morgens ein, anstatt um 14:00 Uhr nachmittags. Leider nur waren alle Betten schon besetzt und er gab mir ein kostenloses Upgrade in einen 8 Bettenraum in dem ich die nächsten Nächte verbringen sollte.

Das tolle an diesem Hostel, vielleicht auch ein Grund wieso ich es gewählt hatte, es gab hier nicht nur freien Kaffee und Tee, sondern auch Reis und Nudeln für lau. Klingt zwar kulinarisch sehr begrenzt, was es auch irgendwie war, aber mit ein bißchen Gemüse, etc. bleibt die Abwechslung nicht aus. Wo sie allerdings aus blieb, war bei den Gästen des Hostels, natürlich wieder ca 60 % Deutsche. Deswegen versuche ich es auch immer so lange wie möglich geheim zu halten, ist manchmal auch ganz interessant was die Leute so alles von sich lassen wenn Sie denken du könntest kein deutsch. So erfreute ich mich trotzdem abends lieber der Gesellschaft einiger Couchsurfer, die in einer nahegelegenen Bar ihr wöchentliches Treffen abhielten. Hier wird im Normalfall immer nur Englisch gesprochen, damit auch alle wissen worum es geht.

Melbourne, sowie auch die restlichen Städte die ich mir noch anschauen werde, war geprägt von einer ausgiebigen Museen- und Wandertour durch die City. Es ist immer wieder faszinierend wieviel freie Museen es hier gibt und vor allem mit welcher Fülle von Exponaten, ein wahre Pracht für zeitgeschichtlich- und kunstinteressierte Menschen. Klar gibt es dann in einigen großen Museen noch Sonderaustellung für die man bezahlen müsste, aber man muss sie sich ja nicht ansehen. Das einzige Museum für das ich bezahlt habe war hier ein chinesisches Museum welches sich auf die Geschichte der Einwanderer aus China und ihrer Bedeutung für Melbourne gewidmet hatte. Im nachhinein etwas enttäuschend, aber einige Nachbildungen im Kellergeschoss und das soll jetzt nicht negativ gemeint sein, sahen aus als wären sie gerade einem Shaolinfilm entsprungen und so musste man fast Angst haben, dass jeden Moment ein Kung Fu Kämpfer hinter der nächsten  Ecke hervorspringt und einen angreift.

Am Abend besuchte ich dann einen der örtlichen Rollhockeyvereine in Dangedong, einem Vorort/Stadtteil von Melbourne! Der Melbourne Rollerhockey Club ist eine sehr professionelle Truppe und spielt auf einem tollen Niveau Rollhockey, was sie mit dem Gewinn des Australia Day Cup letztes Jahr auch unter Beweis gestellt haben. Leider reichte es für mich an diesem Tag nicht zu einem Training, da keine Skates für  vorhanden waren. Dafür wurde ich wieder toll aufgenommen, woran man doch erkennen kann, wie sehr Sport verbindet.

Bei einer meiner zahlreichen Wanderungen an den nächsten Tagen entdeckte ich auch nicht so alltägliche Sachen, ein Auto von Google Maps, einen schwarzen Schwan und ob ihr es glaubt oder nicht, JA ich habe den Weg zu BATMANS HÖHLE gefunden (siehe Bild). Nach einer längeren und erfolglosen Suche durfte ich feststellen, dass Batman gar nicht Batman war, sondern nur der Name eines der ersten Siedler und Gründer Melbournes.

Erfolgreicher war ich dafür anschließend bei einer Werbeaktion des Reifenherstellers Continentale. Als Werbung für die bevorstehende Asienmeisterschaft in Australien veranstalteten sie ein Torwandschießen mit Preisen. Fußballerisch begabt wie ich bin, gewann ich sogleich einen Fußball, welchen ich anschließend in meiner Eigenschaft als bärtiger Mitmensch und Weihnachtsmanngehilfe an zwei kleine Kinder weiterverschenkt habe, die sich wie Bolle darüber gefreut haben.

Etwas weniger erfreulich war am nächsten Abend dafür die kurzfristige Absage meines Reisepartners für die Grand Ocean Road. Ich hatte mich schon voll auf diese Tour gefreut und im letzten Moment sagte er ab. Jetzt war guter Rat teuer und ich fand in den einschlägigen Foren auch niemanden mehr, der diese Tour vor Weihnachten starten wollte. So enschloss ich mich dazu das Angebot eines anderen Deutschen anzunehmen und fuhr mit Ihm und zwei weitern Leuten die Küste entlang hoch Richtung Sydney um planmäßig an Heiligabend dort einzutreffen.

Am Freitag drehte ich vor dem ins Bett gehen noch eine Runde durch die Innenstadt, mit Kopfhörern und Kapuzenpully bewaffnet schlich ich durch die Fußgängerzonen und Kaufhäuser und stellte wie ein unsichtbarer Beobachter aus einer anderen Welt fest, in welch großartiger Weihnachtslaune und -vorfreude sich hier allebefanden. Bei mir hingegen rührte sich noch gar nichts, es war und ist aber auch komisch und surreal, ich stand da mit einer kurzen Hose, T-Shirt und Pullover bekleidet, mitten im Dezember, tagsüber hatte es 30 Grad und um mich rund herum waren alle in Weihnachtsstimmung! Ich für meinen Teil habe in diesem Moment beschlossen, Weihnachten ab sofort immer da zu verbringen wo es kalt ist und am allerliebsten mit vertrauten und lieben Menschen. Denn ehrlich gesagt macht alleine reisen zwar oft viel Spaß, weil man auch seine Ruhe hat wenn man möchte, aber gerade an solchen Tagen wäre es doch schön solche Menschen um einen zu haben.

Nichts desto trotz wurde ich schnell aus meiner Gefühlsduselei herausgerissen, als ich später zurück aufs Zimmer kam und einer meiner Mitbewohner mit dem Mülleimer bewaffnet im Bett lag und mich mit einem „ICH STERBE BLICK“ ansah. Glücklicherweise hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits alles ausgekotzt und so musste ich mir das „Leiden Christi“ nicht mit anhören, sondern nur noch den ekelhaften Geruch ertragen. Der Samstag verlief hingegen eher ruhig und gemächlich im Pub mit etwas Fußball aus der australischen und englischen Liga und einem Bier. Der Rest vom Wochenende gehörte der Entspannung, weil es ja am Montag Richtung Sydney losging.

Da ich erst nachmittags in das Auto zustieg und der Rest schon den ganzen Tag unterwegs war, hielt sich die erste Etappe in Grenzen und wir landeten sehr bald auf einem Campingplatz. Nach einem kurzen Einkauf bei Coles stellte sich dann auch bei mir ein bißchen Weihnachtsstimmung ein, weil die Schokokekse die ich mir gekauft hatte Orangat enthalten haben und meine Oma eben dieses früher auch immer in Ihre wunderbaren Lebkuchen reingetan hat! 😀 Mit so kleinen Dingen kann man mich eben glücklich machen.

Der zweite Tag wurde dann zwar lang, aber abwechslungsreich. Erst wurden wir ein paar Mal wegen unseren tollen Aufklebern auf dem Auto angehupt und beglückwünscht (siehe Bilder), um keinen Kilometer weiter von der Polizei aufgehalten zu werden, die sich natürlich auch ein Grinsen nicht verkneifen konnte. War aber alles halb so wild, der Tobi musste nur kurz ins Röhrchen pusten und so durften wir quasi innerhalb eines Atemzugs auch schon wieder weiter fahren.

Die darauffolgenden Stunden sollten irgendwie spirituell werden, nicht nur das wir an Walhalla, der Heimat der tapferen Gefallenen in nordischen Mythologien / Götterpalast, vorbei fahren sollten, nein ich habe auch noch den Weg in den GARTEN EDEN (siehe Bild, die Stadt hieß auch Eden) gefunden. Was man nicht so alles findet wenn man nur ein bißchen herumreist, sagenhaft! Wir hielten auf der weiteren Strecke nicht mehr all zu oft an, denn die Zeit saß uns im Nacken und so wurde nach einer weiteren Übernachtung in unserem tollen Campervan (siehe Foto) auch das letzte Teilstück nach Sydney angetreten.

Nach einer kurzen Verabschiedung in Sydney suchte ich dann auch schleunigst den schnellsten Weg ins Hostel um euch diesen Bericht zu schreiben, nebenbei zu Wäsche zu waschen und mich für den heutigen Weihnachtsabend fertig zu machen, den ich mit der Couchsurfinggemeinde verbringen werde.

In diesem Sinne wünsche ich Euch und euren Familien frohe und besinnliche Weihnachten, einen schönen Urlaub und auch gleich schon einen guten Rutsch in neue Jahr!