Reisebericht Teil 8

Reisebericht Teil 8:

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

Meine Insel der Glückseeligkeit, Boxing Day und die Begegnung mit der Bundespolizei!

Den 24.12.2014 verbrachte ich mit vielen anderen Backpackern und Couchsurfern in der Side Bar. Hier lernte ich den „Crazy Man“ Neil aus Manila, Tobi aus der Schweiz, James aus England und Thiyen aus Indonesien kennen. Nach dem üblichen Kennenlernen und einem gemeinsamen Snack nahm der Abend so langsam fahrt auf, die Bar füllte sich, Tische wurden beiseite geschoben, die Musik wurde lauter und so gegen elf war der Laden am kochen und die Tanzfläche voll! Doch kurz vor 0:00 Uhr wurde es still und aus dem Nichts ertönte eine Stimme die von 10 abwärts zählte. Bei Null gab es einen lauten Jubelschrei der Menge, alle lagen sich in den Armen und der DJ spielte „Fairytale of New York“ von The Pogues. Es war ein Gänsehautmoment als alle Arm in Arm lauthals diese Lied mitsangen und obwohl man Keinen kannte, feierte man doch irgendwie im Kreis einer Familie.

Am nächsten Tag hieß es dann zeitig aufstehen, um gegen 06:30 Uhr mit der ganzen Familie unter dem Weihnachtsbau zu skypen. An solchen Tagen merkt man dann doch, wie gerne man das Leben on Tour auch mal wieder gegen den Kreis von Familie und Freunde eintauschen möchte.

Da ich ja kein Weihnachtsessen bekommen hatte, versuchte ich, am 1. Weihnachtsfeiertag, nach einer ausgiebigen Erkundung der Stadt, gegen Abend einen guten Burgerladen zu finden, was sich als gar keine so leichte Aufgabe herausstellen sollte! Alle möglichen Restaurants und Ketten hatten geöffnet, nur die guten Kleinen hatten alle geschlossen, oder stellten sich als Asiate mit dem Namen „BBQ King“ heraus. Deshalb versuchte ich mein Glück am Ende im strömenden Regen beim Hard Rock Cafe, aber wie sollte es auch anders sein, auch sie schlossen gerade die Tür direkt vor meiner Nase zu. Ausgehungert und durchnässt genehmigte ich mir auf dem Heimweg noch ein Eis bevor ich nach einem langen Tag erschöpft in mein Bett sank.

Der zweite Weihnachtsfeiertag ist genau wie in England der sogenannte Boxing Day. Ein Tag an dem Alle verrückt spielen, die Läden die Preise senken und sich alles um Sport dreht. Wie ihr auf den Fotos erkennt war in der Stadt die Hölle losgebrochen (siehe Bilder) und die Polizisten sperrten teilweise die Straßen in den Einkaufsmeilen, damit die Menschenmassen die Straßen überqueren konnten. Die einzig ruhigen Momente für die von „Stress“ geplagten Menschen gab es in Darling Harbour, dort existiert ein großer Spielplatz für die Kinder und angrenzend Kaffees für die Eltern. Dort gab es dann aber ein schöne Szene, die die ganzen von Stress getriebenen  Menschenmassen entschleunigte. Eine vierköpfige Entenfamilie trat auf den Plan, lies sich im angrenzenden Wasserspiel nieder und plötzlich hielten alle Passanten an um Sie zu beobachten und verweilten Minutenlang mit einem Lächeln und ohne Eile an Ort und Stelle. Beeindruckend was ENTEN so alle draufhaben! 😀

Auch ich fand hier meine kleine persönliche Insel der Glückseeligkeit (siehe Bild) und steckte sogleich die Flagge mit Ihrem Namen hinein. Sie hieß HARD ROCK CAFE endlich war der Moment gekommen, an dem auch ich mein Weihnachtsessen zu mir nehmen durfte. Es war gelinde gesagt eine Genugtuung in den saftigen Hickory Bacon Cheeseburger zu beißen der mich mit Genugtuung für den vorherigen Tag erfüllte, geschmacklich leider nur Durchschnitt, was meine Freude aber keinenfalls trübte, denn auch Durchschnitt schmeckt gut!

Die anschließende heiße Schokolade versetzte mich zwar nicht in einen weiteren Anfall von Weihnachtsstimmung, aber hob die Laune ungemein und so beschloss ich mir mein eigenes Weihnachtsgeschenk zu machen und ich beschloss mir später noch eine Karte für das abendliche Basketballspiel kaufen. Vorher wurde ich jedoch noch von zwei Südkoreanern überfallen, die eine Sprachreise in Australien absolvieren und mich dafür interviewen wollten. Gesagt getan und so quatschte ich eine gute halbe Stunde mit den Beiden, bevor ich mich Richtung Hostel verabschiedete. Und wer es es wissen will, ja, das Gespräch lief genauso ab wie man es sich vorstellt, mit viel Lächeln und Kichern von Seiten der Südkoreaner.

Vor dem Spiel gab es in der halbgefüllten nach Fastfood riechenden Halle noch die australische Nationalhymne, was ich an sich auch sehr wünschenswert für Sportveranstaltungen in Deutschland finde. Es spielten der 5. der Liga die Sydney Kings gegen den 1. die New Zealand Breakers (es gibt 8 Teams in der 1. Liga). Die Tabelle versprach viel, wovon am Anfang leider nicht sehr viel zu sehen war und ich mir anstatt der Nationalhymne eher das deutsche Spielniveau samt Fankultur in der Halle wünschte. Wie in der NBA gab es auch hier einen Animateur der die Leute versuchte anzutreiben, doch jegliche Bemühungen blieben Anfangs erfolglos, was vielleicht auch daran lag, das der Gastgeber zu Beginn ziemlich zügig mit bis zu 26 Punkten zurück lag. Dies änderte sich zum Glück nach der Halbzeit und Sydney startete eine famose Aufholjagd und kam zwischenzeitlich sogar bis auf 6 Zähler heran, bevor die New Zealand Breakers kurz vor Schluss das Tempo noch einmal anzogen und den Endstand von 85:97 klar machten. Die Highlights  des Spiel waren viele individuelle Fehler, übermäßige Härte samt Blut auf dem Spielfeld, schlechte Schiedsrichter, ein ausgekugelter Finger und ein Sponsorenmaskottchen, das keine Sehschlitze in seiner Maske hatte und deswegen ständig von jemanden durch die Halle geführt werden musste!

Den Tag ließ ich anschließend, der Tradition geschuldet, mit der Premier League in einem Pub ausklingen, was heißt mit der Premier League, zumindest mit dem frühsten Spiel des Tages, das dank der Zeitverschiebung in Sydney erst um 23:45 gelaufen ist. Da lobte ich mir dann doch auch mal die frühen Anstoßzeiten.

Weniger lustig aber genauso verrückt wie der Boxing Day sind die 2 Aufzüge in meinem Hostel gewesen. Ob die Türen in den entsprechenden Stockwerken aufgingen oder nicht, ob er anhielt oder die Tür sich überhaupt schloss, schien je nach Tageslaune anders zu sein. An dem Tag streikte einer komplett und wurde gesperrt und so blieb nur noch ein Aufzug für ein Hostel mit 13 Stockwerken. Wie das endet wisst ihr glaub ich alle selbst. Manchmal wars ganz lustig, aber zumeist einfach nur nervig.

An den Tagen nach Weihnachten machte ich mich dann an die Sehenswürdigkeiten der Stadt und musste an dem Wahrzeichen der Stadt feststellen, dass es zwar architektonisch beeindruckend ist, mich persönlich aber ansonsten gar nicht so von den Socken haut, wie ich es mir immer vorgestellt hatte, genau, ich spreche vom Opernhaus. Schon eher beeindruckt hat mich dann die direkt daneben liegende Harbour Bridge (siehe Bilder), die ich in meiner Eigenart als Kilometerfresser natürlich auch überquerte musste. Mit dem Hintergedanken noch ein oder zwei Tolle Fotos des Opernhauses und der Brücke, von der anderen Seite zu schießen, spazierte ich durch das Wohngebiet am Ufer um irgendwann festzustellen, dass ich den Spot an den ich wollte gar nicht hinkam. Jedoch endete die Straße an einem Aussichtspunkt zu dem ich, in der Hoffnung doch noch einen Weg zu finden, hinunter stieg. Am Wasser angekommen verflog die Hoffnung doch sehr schnell und so saß ich auf den Stufen und machte noch einige Fotos, bevor es auf einmal hinter mir ziemlich Dunkel wurde. Als ich mich umdrehte stand ein ein über 2 m großer und genauso breiter australischer Bundespolizist in voller Ausrüstung hinter mir und schaute mich nicht nur an, sondern fragte mich auch mit einem ernsten Gesichtsausdruck, was ich denn hier mache. Ich antwortete von unten mit einem erstaunten Gesichtsausdruck hochblickend „FOTOS!?!“ und schon hatte er ein schmunzeln im Gesicht und bemerkte das ich wohl doch kein böser Terrorist bin. Wie er mir erklärte, wohnt in dem angrenzende Anwesen irgendeine wichtige Person oder ist der Sitz einer staatlichen Einrichtung, leider konnte ich ihn nicht richtig verstehen, da er beim Aufstieg zurück zur Straße ziemlich aus der Puste geriet und schnaufte wie ein Ochse. Oben angekommen und wieder bei Puste hielten wir noch einen kurzen Plausch bevor wir uns verabschiedeten und jeder seiner Wegeging.

Ehrlich gesagt ist mir dann schon in den Sinn gekommen, dass wenn man mit einer Kamera herumläuft, die ein kleines Stativ besitzt und an der dann auch noch das Kabel des Fernauslösers (jedoch habe ich noch keine einzig vernünftige Aufnahme hingekriegt) herunterhängt, in der Kombination mit meinem Bart, man schon auf komische Ideen kommen kann.

Egal, gut gelaunt wie ich jetzt war lief ich durch die Wohngegend und verstaute während des gehens meine Ausrüstung im Rucksack, als mir ein junges Paar mit einer „älteren“ Dame entgegen kam. Normal nichts besonderes denkt Ihr, stimmt, aber die „ältere“ Dame war anscheinend so von mir begeistert, dass sie mich anstarrte und nicht auf Ihren Weg achtete und deswegen glatt mal volle Lotte gegen die Laterne gelaufen ist. Ich muss schon sagen, ich hab anscheinend einen „UMWERFENDE“ Wirkung auf Frauen! 😀 Spaß!

Abends bekam ich dann von einem guten Freund ein wahnsinnig tolles Video, von der mittlerweilen 14. Nackten Kanone Nacht, in dem viele Freunde zu sehen waren, die meinen Namen riefen und klatschten, was mich ehrlich gesagt richtig umgehauen hat. Ich hatte nämlich aufgrund meiner physischen Abwesendheit und extra für den Abend als Gruß, auf einem Foto eine Szene aus einem der Filme nachgestellt. Hierfür vielen Lieben Dank Herr Thomas T. und es ist schön solche Freunde zu haben.

Um wieder etwas Abwechslung in den tristen Stadtalltag zu bekommen ging ich am nächsten Tag an den Strand, oder besser gesagt den „legendären“ Bondi Beach! Das kalte Wasser und der feine Sand waren herrlich, hier kann man sogar noch in einen angrenzenden Club gehen und dirket am Meer in eine Pool schwimmen, was ja an sich schon schwachsinnig ist, aber dafür beeindruckend aussieht (siehe Bild). Anschließend wanderte ich am Küstenweg entlang, der zu den anderen Stränden führt und tolle Ausblicke zu bieten hatte. Als ich abends zum Bondi Beach zurück kam um mit dem Bus wieder in die Stadt zu fahren, fuhren die Busse alle an unserer Haltestelle vollbesetzt vorbei und so machte ich mich mit vielen anderen Wartenden auf zur vorherigen Bushaltestelle. An der angekommen standen die Leute in einer mindestens 200 m langen Schlange an, um in die alle 10 Minuten fahrenden Busse einzusteigen. Clever und Smart wie ich ab und zu bin, dachte ich mir, du bist ja nicht blöd und läufst einfach nochmal weiter, vielleicht ist ja an der Haltestelle davor gar nichts los und was soll ich sagen?! Ich hatte recht, fast keine Menschenseele und sie war auch nur ca. 200 m weit weg. Manchmal muss man eben einfach Glück haben im Leben.

Am Tag vor Silvester legte ich dann einen Waschtag ein und da ja nie ein Tag vergeht an dem man nichts lernt, durfte ich mir heute erklären lassen wie man die Waschautomanten austrickst um nichts zu bezahlen. Da ich ja wie Ihr jetzt alle wisst, ein alter „Schwabe“ bin, wurde ich gleich hellhörig. Leider schleuderte mein Trockner bereits munter vor sich her. 🙁 Je nach Bezahlsystem braucht man verschiedene Dinge. Beim Einwurfsystem benötigt man hier in Australien zwei 5 Centmünzen, die  nebeneinander gelegt, die gleichen Ausmaße haben wie ein 2 Dollar Stück und für das Einschubsystem reicht ein normales Plastikarmband wie man es von Festivals kennt. Beim Einwurf muss man die Münzen gleichzeitig einwerfen und bekommt sie praktischerweise auch wieder, aber die Maschine registriert trotzdem den Einwurf einer zwei Dollarmünze, was aber leider nicht immer und bei jeder Maschine funktioniert. Beim Einschubsystem hingegen muss man nur das Plastikarmband unter dem Schubsystem so platzieren, dass das Geld nicht durchfallen kann und schon hat man für einmal waschen und trocknen gleich 8 Dollar gespart. Da bin ich ja mal gespannt ob das beim nächsten Mal dann auch so easy klappt wie beschrieben.

Der Silvestertag begann früh, da sich der Park in dem das Couchsurfingevent stattfand anscheinend sehr schnell füllen sollte. So ging ich zeitig mit meinem Rucksack bewaffnet in den Park, samt einem kleinen Umweg an einem Burgerladen vorbei und war um 12 Uhr mittags pünktlich dort. Von den angeblichen Menschenmassen war aber weit und breit nichts zu sehen, was sich den ganzen Tag auch nicht ändern sollte. Zwar füllte sich der Park schleichend, jedoch wäre man auch ohnen Probleme noch zu späterer Stunde reingekommen. Nichts desto trotz durfte ich den Tag mit über 100 anderen Couchsurfern im Park verbringen und es war ein schöner Tag. Zwar war es ungewohnt sich an Silvester sorgen um einen Sonnenbrand zu machen (hatte auch einen kleinen im Nacken, aber sonst gings) und es lag auch noch ein 12 Stunden Wartemarathon vor uns, aber es wurde schnell klar, mit diesen Leuten würde es nicht langweilig werden. Für Musik und Spiele war gesorgt, viele bekannte Gesichter von Weihnachten waren auch dort, sowie viele neue tolle Menschen. Je später es wurde, umso mehr Menschen drängten in den Park und vor allem auf den Pier von dem aus man die Harbour Bridge besonders gut sehen konnte. Ich ging, obwohl ich weiter hinten bleiben wollte um zu fotografieren und mich in Langzeitbelichtungsaufnahmen zu üben, mit nach vorne auf das Pier um bei den Anderen zu sein (was ich jetzt im Moment leicht bereue). Und so wurde mir kurz vor zwölf dann ziemlich schnell klar, wieso ich ein so ungutes Gefühl für die Wahl unseres Platzes hatte! Alle zückten ihre Handys und hielten sie mit hochgestreckten Armen in die Luft, Menschen wurden auf Schultern genommen und die Sicht war schnell versperrt. Ich bewegte mich dann während des Feuerwerks an die andere Seite des Stegs um dort über die Absperrung auf eine Holzbank zu steigen, um von dort aus eine gute Sicht auf das weitere Feuerwerk zu haben. Wenn ich ehrlich bin, fand ich das Feuerwerk jetzt gar nicht so toll, faszinierender fand ich eher, dass wenn man die Menschenmenge genau beobachtete, alle das Feuerwerk über das Display ihres Handys beobachteten anstatt „Live!“
Mehr muss ich dazu wohl auch gar nicht mehr schreiben. Die anschließende Party hielt sich in Grenzen, wir verweilten noch etwas im Park bevor wir in einem Pub das letze Bier des Tages tranken. Da die Pubs dann um 03:00 Uhr bereits schlossen ging es dann geradewegs auf den Weg ins Bett. Hier läuft halt alles ein bißchen anders, aber auch OK, da es ein langer Tag im Park war und wir somit die Party ja quasi nur vorverlegt hatten.

Somit sind auch diese Tage wieder schnell verflogen und ich wünsche euch Allen einen guten Start ins neue Jahr mit viel Glück, Erfolg, Gesundheit und Liebe.

Für mich geht es jetzt weiter nach Brisbane und wer genau mitgelesen hat, der könnte sogar erraten wo es für mich wahrscheinlich als Nächstes hingeht, denn einmal wurde das nächste Reiseland kurz genannt.