Sonderbericht Bus

Bussonderbericht und die letzten Tage in Indien!

(Alle im Bericht erwähnten Bilder und noch mehr gibts auf Facebook, auch ohne Account!)

Der letzte Tag in Mannur wird nochmal mit einem enormen Laufpensum verbracht, alles in allem dürften es circa 25 km gewesen sein. Das traurige Ende des Tage, zumindest für eine Ziege, trug sich in einem kleinen Bergdorf zu. Wir gingen an den Teeplantagen entlang, als plötzlich eine Herde Ziegen aus den selbigen herausrannte. Wir hörten von weitem schon ein Gewimmer und als wir näher kamen, sahen wir ein Hunderudel eine gerade eben gerissene Ziege ins Gebüsch zogen. Im Dorf angekommen wollten wir Einheimische darüber in Kenntnis setzen, gerieten aber an einen indischen Reiseführer, der zu unserer Überraschung sehr gut deutsch konnte, welcher dies für uns übernommen hat.

Der nächste Morgen war ein bißchen traurig, da sich der gemeinsame Weg von Bergi, Kunzi und mir trennte. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück verabschiedeten wir uns und jeder ging zu seinem Busbahnhof.

In Madurai angekommen lege ich noch einen kleinen Nightwalk ein und muss feststellen, dass es schwieriger ist einen WiFi Hotspot zu finden als gedacht (es sollte mir am zweiten Abend erst durch Zufall gelingen), wogegen man Schuhe, Taschen, Handy und Zubehör und Stoffe an jeder Ecke findet. Es gibt sogar ganze Marktstraßen die nur aus solchen kleinen Läden bestehen und es gibt wirklich keine Straße in der es diese nicht gibt. Faszinierend und der totale Gegensatz dazu sind die großen Prachtbauten die oft dazwischen stehen und zumeist Schmuckläden beherbergen, wobei ich mich hier fragen muss, wer kauft da ein? Egal, es schein sich ja zu lohnen.

Am zweiten Tag traf ich nachmittags Joseph aus London der nur für einen Tag in Madurai war und abends weiterfuhr in Richtung Ostküste. Nach einem kurzen Snack und dem Besuch des Bahnhofs zur Reservierung eines Zugtickets für nächste Woche, oder zumindest dem Versuch, suchten wir eine in seinem Reiseführer empfohlene Bar die wie ein Raumschiff aussehen und sich auf dem Dach eines etwas nobleren Hotels befinden sollte. Leider befand sich diese im Keller des Hotels und war nicht so umwerfend wie wir uns diese versprochen haben. Trotzdem war es sehr lustig und wir schauten bei einem Getränk das Ende des letzten X-Men Films an. Joseph holte anschließend seinen Rucksack und ich begleitete Ihn noch zu seiner Bushaltestelle, was hier nicht immer so einfach ist, vor allem wenn es über einen privaten Busanbieter läuft.

Toll ist auch, dass die meisten Unterkünfte mit Fernseher auch immer mehrere HBO – Sender haben und somit immer tolle Filme laufen! Leider gibt es dabei aber auch einige Sender die dabei ständig Werbung machen, öfter als in Deutschland und sogar während des Abspann eines FIlms und leider immer die gleichen Spots.

Jetzt aber mal zum THEMA BUS!

Busfahren in Indien ist sehr günstig, man kann grob über den Daumen gepeilt pro Kilometer 1 Rupie rechnen, manchmal auch weniger. So hat meine letzte Fahrt bei 160 km nur 125 Rupie (1,60 €) gekostet. Man kann aber auch teurer fahren wenn man möchte. Es gibt Sleeperbusse mit Betten oder bessere Busse von Privatanbietern, was sich oft aber gar nicht lohnt, da man oft Aufgrund der Straßen oder der Fahrweise gar nicht schlafen kann. Hinzu kommt manchmal auch der glückliche Umstand einen besseren Bus zu erwischen, wie bei der Fahrt nach Kannur als wir genügend Beinfreiheit hatten, einen Sitz der sich weit nach hinten klappen ließ und sogar Armstützen an beiden Seiten hatte. Der einzige Wehrmutstropfen hierbei war die zu frühe Ankunftszeit, anstatt 8 Uhr wie es uns geheisen war erreichten wir Kannur um 4 Uhr am morgen.

Kommen wir aber nun zu den „lustigen“ Geschichten, abseits mangelnder Beinfreiheit.

Mein absoluter Favorit ist immer noch der Rallyebus. Der Fahrer hat definitiv seinen Beruf verfehlt, denn ich saß noch nie in einem Bus, der um die Kurve gedriftet ist. Abgesehen davon, dass er die zahlreichen Speedbreaker auf dem Weg komplett zu ignorieren schien und man auf den Sitzen nach der Hinterachse (kein Witz) Airtime hatte, sprich man hob gefühlte 50 cm von der Sitzbank ab und knallte danach wieder auf dieselbige. In einer Rechtskurve kam uns ein Auto entgegen und er musste die enge Straße auf der linken Seite verlassen und da es die Tage vorher nachts geregnet hatte fuhr er durch ein Schlammloch, wodurch die hinteren Reifen beim Wiederauffahren auf die etwas erhöhte Fahrbahn durchrutschten und wir somit wie ein Rallyeauto einen Moment um die Kurve gedriftet sind. Leider ist diese riskante Fahrweise in Indien keine Seltenheit.

Lustig sind auch die Fahrten mit den öffentlichen Bussen in weniger touristischen Gebieten. Wie z. B. die Hin- und Rückfahrt nach Mararikulam gezeigt hat. Bergi blieb in der Unterkunft, Kunzi fuhr mit dem Fahrrad und ich etwas später mit dem Bus. Was auch gut so war, da ich der Einzige der an meiner Haltestelle noch in den leicht schaukelnd herannahenden Bus passte, aus dem seitlich schon jede Menge Köpfe herauslugten. Einmal in den Bus hineingequetscht fühlte ich mich auf eine komische Art und Weise sicher, denn bei einem möglichen Unfall oder seitlichem Umkippen hätte sich hier keiner von seinem Platz bewegt. Der Rückweg hingegen war anfänglich entspannter. Ich kam aus einer Straße die zum Strand führte und keine Minute später auf dem Weg zur Bushaltestelle fuhr mir schon der Bus entgegen und ich hielt ihn mit einem kurzven Fingerzeig an meiner ganz persönlichen Haltestelle an (eins der positiven Dinge am Busfahren in Indien, in Deutschland zumeist undenkbar) und stieg in den fast leeren Bus. Die Ruhe hielt aber nicht lange an, weil schon 5 Stationen später der Bus vor einer Schule hielt und ich plötzlich von ca. 20 Kindern und Jugendlichen umzingelt war die große Augen machten und sich angeregt über mich unterhielten und lachten. Soweit so gut, leider kennen Inder keine Empathie oder Privatsphäre oder fragen auch nicht ob sie dich anfassen dürfen sondern machen es einfach, das ich bei aller Freundlichkeit dann doch sehr schnell unterbunden habe.

Deutlich romantischer erwischte es Bergi, auf der Heimfahrt eines Ausfluges saß ein Physik- oder Chemielehrer (ich weiß es nicht mehr genau) neben Ihm der Ihn bei der Verabschiedung ohne Vorwarnung auf die Wange küsste.

Die Stimmung zum Kuscheln gab es wohl eher auf der Fahrt nach Munnar. Schon in Alleppey zog ein Unwetter auf und es begann zunächst leicht zu regnen. Da viele Busse bei den vorherrschenden Temperaturen keine Scheiben benötigen, gibt es in diesen nur eine Art Schalousie die man herunterlassen kann (siehe Foto). Jedoch halfen diese nicht gegen den Wasserfall den es in den der nächsten Stunde vom Himmel regnen sollte und so lief das Wasser in den Bus und so schnell konnte ich gar nicht reagieren und der Boden meines Rucksacks inclusive meines Pullover in diesem waren nass. Zumindest krabbelten dieses mal keine Kakerlaken oder anderes Ungetier durch den Bus.

Auf dem Foto seht ihr wie eine Gerölllawine die in den Bergen abging beseitigt wird. Dies gibt es öfters wodurch einem manchmal schon mulmig wird wenn man sehr nahe am Rand fährt an dem bereits ein Abgang war. Zusätzlich wird natürlich auf den oft engen und kurvigen Bergstraßen auch nicht langsamer oder vorsichtiger gefahren, nein, es wird gehupt und Kurven geschnitten ohne dass man etwas sieht und weiß ob nicht nach der Kurve wieder ein großer Stein liegt der abgegangen ist. Dadurch kam es nämlich einmal fast zu einem Unfall mit einem entgegen kommenden Kleinbus. Ich wundere mich immer noch, dass hier nicht öfters schwere Unfälle passieren.

Zum Schluss habe ich noch die Wochenendvariante des Busfahrens für partywütige indische Jugendliche. Das erste Mal sah ich einen dieser Busse auf der Fahrt nach Kannur wenn ich mich noch richtig entsinne. Aus der stille der Nacht drang plötzlich laute Musik, Diskolicht und Partigeschrei und bis mir im Halbschlaf überhaupt klar wurde was das an uns vorbeirollte, war auch schon wieder alles vorbei. Später sollten wir diese Busse noch öfter sehen und ja, es sind tatsächlich PARTYBUSSE, rollende Diskos die jedes Wochenende durch die Walachei fahren. An sich keine schlechte Idee, wie wir aber in Munnar feststellen mussten (da zwei dieser Busse direkt vor uns hielten), sind diese Busse, wie soll es hier auch anders sein, nach Geschlechtern getrennt. Es bot sich uns das typische Bild, im Männerbus nur Geschrei und Rumgepose (so leid es mir tut, aber junge indische Erwachsene verhalten sich zumeist wie bei uns Pubertäre 14-jährige Jungs, was besonders in Kombination mit der fehlenden Empathie und der fehlenden Empfindung für Privatsphäre, zumeist sehr negativ zum Tragen kommt, besonders auch im Umgang mit Frauen) und im Frauenbus ging richtig die Post ab, laute Musik, es wurde getanzt und alle hatten Spaß. Da die Busse etwas länger standen schauten wir uns das Schauspiel einige Zeit an und schmunzelten so vor uns hin, bis der Frauenbus auf uns aufmerksam wurde, worauf sie noch wilder tanzten und versuchten uns anzuflirten, wir jedoch nur anfangen mussten zu lachen. Nicht dass jemand denkt wir hätten uns über sie lustig gemacht, es war eben nur sehr witzig anzusehen und gar nicht böse gemeint.

Ich hoffe Ihr habt jetzt einen kleinen Eindruck davon bekommen, wie Bus fahren hier in Indien ist und dass man hierfür leider zu oft auch gute Nerven benötigt. Lasst euch jetzt davon aber auch nicht abschrecken hierher zu reisen.

Heute wird noch einmal gechillt und morgen heißt es dann ab nach Sri Lanka!

Bis bald!